Portraits von Menschen, die ab 1800 auf Thorberg einsassen.

Gerne publizieren wir Euch hier ab Montag 2. November Portraits von Menschen, die das gleiche  Schicksal erlitten haben.

Ammon Ludwig, von und zu Herzogenbuchsee, geb. 1833

 

Von Wangen wegen Verstoss gegen das Armenpolizeigesetz zu 42 Tagen Zwangsarbeit verurteilt. 30.08. - 10.10.1852

 

Ammon ist bis ins 9. Jahre bei seiner Mutter gewesen, die noch einiges Vermögen gehabt habe, nachher sei er verdingt worden an 4 Orten bis zu seiner Admission in Herzogenbuchsee. Nach seiner Admission habe er in Röthenbach b.H. das Schneiderhandwerk gelernt. Nach Vollendung seiner Lehrzeit war er etwa bei seiner Mutter und ging dann mit Kleidern von der Gemeinde ausgestattet nach «Genève», das gewöhnliche Ziel aller Schneiderlehrlinge; er verarmte auf dieser Schneiderfahrt, wie 100 andere, weil er als Anfänger nicht Verdienst fand und verkaufte seine Kleider. Die Mutter wusste, als er heimkam und – krätzig war, nichts mit ihm anzufangen, er wurde von ihr verklagt und nun zu 6 Wochen Zwangsarbeit verurteilt, um unterdessen von der Krätze geheilt zu werden. -Dieser Bursche scheint kein Vagant zu sein, etwas unerfahren und leichtsinnig. Hat er Strafe verdient, hätte er wenigstens 6 Monate Strafzeit erhalten sollen.

 

Resultat:

War längere Zeit wegen Krätze im Krankenzimmer, arbeitete sonst zur Zufriedenheit; nur sieht man ihm den Taugenichts immer mehr ans Licht treten.

 

 

Maurer Elisabeth, von Zollikofen, 39 Jahre alt

 

Von Burgdorf, wegen Bettel und Vagantität zu 2 Monaten verfällt.

 

Ganz klein gewachsen. Hier und dort gedient bis sie vor ungefähr 10 Jahren von der Gliedersucht heimgesucht worden, welche sie so sehr verderbt habe, dass sie seither nicht mehr habe dienen können. Letzten Winter habe sie die Gemeinde wieder verdingt bis vor circa 3 Wochen, wo dieselbe nichts mehr habe für sie bezahlen wollen, sondern die Gemeindsbehörde habe gesagt, die Wärme sei nun eingetreten, und so könne sie sehen wie sie sich durchbringe, von wo hinweg sie allerdings zu Fristung ihres Lebens gebettelt habe und im Lande herum gezogen sei. Die Maurer ist noch dato gliedersüchtig und lahm und namentlich die linke Seite sozusagen gelähmt, so dass sie zu allen schweren Arbeiten total unfähig ist.

 

 

Resultat:

Gut aufgeführt. Sie ist eine bedauernswürdige Person, die niemals imstande ist, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

 

 

 



Zehnder Jakob, von Eriswyl, 23 Jahre alt

 

Wurde durch Urteil des Richteramtes von Burgdorf vom 04. April 1851 wegen Bettel und Vagantität zu 6 Wochen Zwangsarbeitshausstrafe verfällt. 05.04. - 06.05.1851.

 

Zehnder sein Vater lebe noch und wohne zu Eriswyl, wo auch er die Schulen besucht habe und admittiert worden sei. Die Mutter sei schon vor circa 21 Jahren verstorben, und nachher sei er von der Gemeinde verdingt worden bis nach seiner Admission. Von da an habe er sich nach Niederösch und St. Niklaus begeben und habe am letzten Ort bei Wirth Affolter, als sog. Ackerbub Aufnahme gefunden; auch habe er später 2 Jahre lang bei Joh. Brüggemann zu Niederösch als Knecht gedient, seither hingegen nur in dortiger Umgebung getaglöhnert, und namentlich noch letzten Winter gedroschen. Seit circa 2 Monaten habe er aber weder Arbeit noch Verdienst gehabt und sei daher zum Bettel genötigt worden.

 

Zender ist wohl gewachsen und gesund und kräftig und mag arbeiten wann er den Willen dazu hat; allem äusseren Anschein nach wird es ihm ein wenig am Willen fehlen, indem er sich lieber im Müssiggang herum treiben wird, als sein Brot auf ehrliche Weise zu verdienen. Hätte er statt 6 Wochen, 6 Monate hier zu sein, so dürfte es für ihn zum Segen werden, sonst aber wird seine Strafzeit wenig oder gar nicht fruchten.

 

 

 

Resultat:

Zehnder hat sich gut gehalten und war still, folgsam und ziemlich arbeitsam, sodass keine Klagen gegen ihn bei mir angebracht worden sind. Um aber eine nachhaltige Besserung bei demselben zu erwirken, war seine Strafzeit zu kurz, er dürfte daher leicht wieder in sein früheres Vagantenleben zurückfallen, wenn er nämlich nicht sogleich Anstellung erhält. Wenn Zehnder nicht unter Aufsicht kommt, so dürfte sein jugendlicher Leichtsinn ihn überwältigen, und er je länger je mehr in das Verderben gestürzt werden.

 

 

 

Antener Jakob, von Bleiken, geb. 1824

 

Von Burgdorf wegen Vagantität u. Bettel zu 4 Mt. Zwangsarbeit verurteilt. 17.11.52 – 16.03.53

 

Die Mutter hausiere zu Grosshöchstetten mit Esswaren, 4 Geschwister, Vater vor 20 Jahren in Worb als Lumpensammler gestorben, wodurch er ausser Fall gekommen ,ein Handwerk zu erlernen und sich der Landarbeit gewidmet habe. Anno 1844 sei er in neapolitanischen Militärdienst getreten. Seit er anno 1850 von Neapel zurückgekehrt, habe er bald hier bald dort als Knecht gedient, aber immer nur kürzere Zeit. Da er zu wenig Lohn gehabt habe, sei er immer bald fortgegangen. Infolge eines Sturzes von der Bühne ins Tenn sei er 2 Mt. in der Insel gewesen, überdies habe er ein böses Bein.

Antener ist ein korpulenter und kräftiger Bursche, dem es bei gutem Willen ein kleines wäre sich ehrlich durch die Welt zu bringen. Nach Art gewesener Neapolitaner scheint er aber dem Trunk ergeben und arbeitsscheu zu sein.

 

 

Resultat:

 

Antener ist träge, arbeitsscheu und unverschämt, machte sich einer Entweichung schuldig und verhielt sich überhaupt unbefriedigend, dürfte bald wieder hier sein.



Balsiger Margaritha

 

 

Der Vater der 16-jährigen Margaritha Balsiger ist vor Jahren in der Insel gestorben; er war Schreiner. Sie haben selbst noch etwas gepflanzt und durch Spinnen etc. noch etwas verdient. Früher habe sie die Schule ziemlich fleissig besucht, letzten Winter sei sie aber wegen Mangel an Schuhen nicht mehr gegangen. Nun wurde sie wegen Bettel und Schulunfleiss zu 14 Monaten verurteilt.

Beieler Friedrich

 

Friedrich Beieler, 11-jährig, von Guggisberg, wurde wegen Bettel, Vagantität und Gemeindseingrenzungsübertritt zu einem Jahr Zwangsarbeitshaus verurteilt.

 

Die Familie ist eine vollendete Bettlerfamilie von ächt guggisbergerischem Muster. Sie ist fast während des ganzen Jahres auf der Fahrt; der Vater führte früher irdenes Geschirr mit, um besser fortzukommen. Von Arbeit und Schulbesuch wissen die Kinder nichts. Unbegreiflich ist es, dass die Gemeindebehörden von Guggisberg die Sache so gehen lassen. Wahrscheinlich scheute man die Last, da noch neun Kinder am Leben sind.



Riesen Peter, von Guggisberg, geb. 1806

 

Von Bern wegen Vagantität zu 6 Mt. Zwangsarbeit verurteilt. 08.05.52 – 07.11.52

Bis dahin in Heubach gewohnt, wo sie soviel wie möglich gepflanzt haben. Nun seien sie mit den Lebensmitteln zu Ende gewesen, und um nicht verhungern zu müssen, habe er sich mit der Frau und den zwei Mädchen, in der Absicht zu betteln nach Bern begeben. Der Knabe, der wirklich den Konfirmanden Unterricht besuche, sei zu Hause geblieben. In Bern seien sie aber alle von der Polizei aufgegriffen und hierher gebracht worden. Riesen ist ein geistesschwacher Mann mit einem grossen Kropf, der zu schweren Arbeiten nicht wird verwendet werden können. Die Eltern haben die Kinder zu Bettel angeführt.

Resultat:

 

Mit dem Betragen zufrieden.

Müller Valentin, 16-jährig, von Hundwil im Kanton Appenzell

 

Valentin Müller wurde wegen Brandstiftung zu 4 Jahren verurteilt.

 

Er hatte brave Eltern, der Vater war Senn und ist jetzt Weber. Valentin wollte in der Tobelmühle das Mahlen erlernen, um seinen Eltern nicht behilflich sein zu müssen. Da die Eltern nicht einverstanden waren, zündete er ihnen das Haus an. Dass er aus Bosheit und Rache gehandelt habe, stellt er in Abrede.



Aus neuerer Zeit

Oliviu Beldeanu, rumänischer Patriot und Freiheitskämpfer, 1924 – 1960

Beldeanu hatte 1955 mit 3 Mitkämpfern die rumänische Botschaft in Bern besetzt. Die vier wollten damit gegen die Einrichtung des kommunistischen Regimes in Rumänien protestieren.

Die Rumänen wurden zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt, Beldeanu aber wegen guter Führung bereits 1957 freigelassen. 1958 wurde er von Ostberlin aus nach Rumänien entführt und 1960 erschossen.

Oliviu Beldeanu war ein gebildeter und künstlerisch hoch begabter Mann. In Thorberg soll er rund 30 Skulpturen geschnitzt haben, von denen zwei im Museum zu sehen sind. Der Verbleib der anderen ist uns leider nicht bekannt.

 

Das Buch „zwischen Galgen und Kreuz“ beschreibt Beldeanus Leben.

Minder Andreas, bernischer Landsass von Rohrbach, 40 Jahre alt

 

Von Aarwangen wegen Bettels und Vagantität zu 6 Wochen verfällt.

Sägenfeiler, er habe aber in dem theuren Jahre 1846 sein sämtliches Sägefeiler-Werkzeug für erkaufte Lebensmittel einsetzen müssen und dieselben seither nie mehr herauslösen können. Notgedrungen Zuflucht zur öffentlichen Wohltätigkeit nehmen müssen. Klein gewachsen und sehr schwache Körper-Constitution. Scheint seine Kinder (3, 8 ½ und 1 Jahr) sehr zu lieben, indem er weinte, dass er so lange von denselben getrennt sein müsse. Äusserem Anschein nach ist er aufrichtig und gutmüthig.

Resultat:

 

Willig, folgsam. Doppelten ziemlich bösartigen Leibschaden. Ohne von irgend einer Seite unterstützt zu werden, ist es ihm selbst beim besten Willen nicht möglich, sich und seine Familie durchzubringen.


Lichti Anna Elisabeth, geb. 1846, von Landiswil

 

Vagantität, 1 Jahr. 03.01.1859-02.01.1860

Nach des Vaters Tod war das Kind einige Zeit bei der Grossmutter auf der Nüchtern, dann wurde es von der Gemeinde verdingt, hatte in 2 Jahren 2 verschiedene Plätze, die Mutter hatte sich unterdessen zum zweiten Male verheiratet an einen Bachmann in Bern, mit dem sie 3 Kinder hatte. Bei der Armenreform wurde das Mädchen wie es schein, dem Stiefvater und der Mutter zugestellt. Die Mutter und der Stiefvater weigerten sich, das Mädchen aufzunehmen, behielten dasselbe aber doch, behandelten es aber wie es scheint lieblos und sagten ihm oft, es solle gehen, sie wollen es nicht. Das Mädchen entfernte sich öfters, wurde dann durch die Polizei wieder auf Bern gebracht und endlich nach einem Weglaufen durch das Richteramt wegen Vagantität verurteilt.

 

 

Berchten Johann, geb. 1843, von St. Stephan

 

Von Obersimmental wegen Entwendungen (teilweise mit Einbruch), Vagantität und Bettel zu 2 Jahren Enthaltung verurteilt. 05.11.1852-04.11.1854

Berchten ist der Rosina unehelicher Sohn, von deren 3 Kindern er das älteste war und zu St. Stephan verdingt. Er habe aus Mangel an genügender Nahrung mehrere Entwendungen begangen. Er ist für sein Alter geistig schon sehr entwickelt und dürfte daher eher zu bessern sein. Indes gehört ein Kind vor diesem Alter nicht in eine solche Anstalt, sondern würde sich eher bessern in einer braven Familie.

Resultat:

 

Der Berchten hat sich befriedigend verhalten, machte auch in der Schule gute Fortschritte. Wenn er von der Gemeinde angemessen versorgt würde und zu rechtschaffenen ordentlichen Pflegeeltern käme, so könnte aus dem Knaben noch etwas Rechtes werden. Es wird nun sehr viel davon abhangen, wie die Gemeinde ihn versorgen wird.



Wenger Johann, von Kirchenthurnen, geb. 1827

 

Von Seftigen wegen Steuersammeln auf falsche Zeugnisse den 21. Mai 1852 zu 1 Mt. Zwangsarbeit verurteilt.

03.11. - 02.12.1852.

 

Als Gärtner arbeitete er letzte Zeit selbständig in Langnau. Im verflossenen Februar habe er mit andern Steuern gesammelt, um den Hirschmontag zu feiern, wozu sie sich eines falschen Zeugnisses bedient haben. Wenger scheint gar kein übler junger Mann zu sein, und es dürfte hier allerdings nur Leichtsinn und Unüberlegtheit, keineswegs aber böse Absicht im Spiel sein, daher die Strafe gute Wirkung haben wird.

 

 

Resultat:

 

Gut verhalten, als Gärtner verwendet, blieb bis 11. Dez. freiwillig hier, um die hiesigen Bäume zu putzen.

Wenger David, von Grindelwald, geb. 1836

 

Unzucht, 6 Mt. 05.12.1859 – 04.06.1860.

 

 

 

Wurde bei seinem Vater, der Fremdenführer war, erzogen. Nach seiner Admission ging er mit dem Vater als Holzarbeiter in den Jura. Er ging nach Neapel, wo er 3 Jahre als Soldat zubrachte. Im August letzthin wurde er entlassen, erhielt über Fr. 100.00 Entschädigung, die er sehr bald verbraucht hatte. Seither trieb er sich als Vagant herum.


 

 

Bettler Johann, von Zweisimmen, geb. 1829

 

Von Obersimmental wegen Futterentwendung zu 2 Jahren verfällt. 08.03.1852 – 07.03.1854

 

Der Vater sei wegen Bettelschicken seiner Kinder mehrmals bestraft worden, auch wegen Ausfertigung einer falschen Brotkarte. Auch ein Bruder sei wegen Ausfertigungen einer solchen falschen Karte bestraft worden. Er selbst ebenfalls wegen Gebrauch solcher falscher Karten. Er könne ein wenig korben, aber wie es scheint, trieb er‘s nicht stark, weil die Weiden vorher zusammengelesen werden müssen und er dazu nicht Zeit gehabt habe vor wahrscheinlich lauter Nichtsthun. Er ist wegen Entwendung von Heu zu 2 Jahren Zwangs-Arbeit verurteilt! Er weiss 100 Entschuldigungsgründe für seine That anzubringen und macht überhaupt den Eindruck eines ziemlich verdorbenen namentlich untreuen, diebischen Charakters, verspricht zwar, sich bessern zu wollen.

Den 23.02.1853 dem Bettler ein der Anstalt gehörendes Bruchband zum Gebrauche verabreicht.

11.07.1853 als provisorischer Krankenwärter angestellt.

18.11.1853 Verhehlen von Brotentwendung und Lügen: 10 Tage Gefangenschaft zu Wasser und Brot, Absetzten als Krankenwärter.

 

01.02.1854 Verheimlichung des Fundes eines Nastuches: 12 Tage Gefangenschaft bei W.u.B.

Den 06.02.1854 mit Transport entlassen, sein Betragen war nicht befriedigend, hingegen bei der Arbeit hat er Ordentliches geleistet.

 

 

 

 

Berger Johann, geb. 1790, von Otterbach

 

Wegen fortwährendem berufslosem Herumziehen und Bettel zu 4 Mt. verurteilt.

 

Ist unverheiratet und war lange in französischen und holländischen Diensten. Als Gärtner in Neuenburg die Achsel ausgemacht und die Hand verstaucht, dass sie beinahe unbrauchbar geworden sei. Wird wegen seines Arms wenig arbeiten können. Er ist übrigens noch rüstig. Nach Art alter Militärs mag er gerne sein Schnäpschen genommen haben.

Resultat:

Träge und ins Vagantenleben eingerostetes Subjekt nach Art aller Söldlinge.

 

Zum 2. male hier, wegen Armbruchs konnte er wenig leisten. Als gewesener französischer und holländischer Militär und bereits 62 Jahre alt wird er auch diesmal nicht viel leisten, obschon sein Arm wieder hergestellt ist, da er träge, ungewohnt an Arbeit und ein eingerosteter Vagant ist. Noch ziemlich rüstig, gross und korpulent.

 

Resultat:

 

Berger ist eine derjenigen Persönlichkeiten, die hier am schwierigsten zu behandeln sind.


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Finissage mit Thorberg - Direktor Hans - Rudolf Schwarz  30. Februar 2021

 

Standort

Das Museum Krauchthal ist sehr gut mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen.

Für die Anreise mit dem Auto stehen beim Schulhaus Krauchthal genügend Parkplätze zur Verfügung.